Kassen müssen langfristig denken
Die Börsenturbulenzen stellen die Pensionskassen vor enorme Probleme. In diesem Umfeld erzielen laut Bruno Matt, Geschäftsführer der Vorsorgestiftung der Liechtensteinischen Landesbank (LLB), viele Kassen zu wenig Rendite.
Die Börsenturbulenzen stellen die Pensionskassen vor enorme Probleme. In diesem Umfeld erzielen laut Bruno Matt, Geschäftsführer der Vorsorgestiftung der Liechtensteinischen Landesbank (LLB), viele Kassen zu wenig Rendite.
Herr Matt, in welchem Alter sollte man damit beginnen, sich Gedanken über die Altersvorsorge machen?
Bei der Altersvorsorge geht es primär um die Bildung von Kapital. Daher gilt hier die einfache Feststellung – je früher desto besser bzw. günstiger. Die Erfahrung und Praxis zeigt, dass das Thema Absicherung und Vorsorge meist erstmals zum Thema wird, wenn z.B. eine Heirat ansteht, wenn ein Haus gebaut und oder eine Familie gegründet wird.
Was sollte ein junger Arbeitnehmer unbedingt unternehmen, damit er oder sie im Rentenalter nicht in eine Deckungslücke zu geraten droht?
Es ist natürlich schwierig über 30 oder gar 40 Jahre hinaus zu planen. Eine ordentliche Pensionierung oder eine Frühpensionierung kann mit einem genügenden Finanzpolster sicherlich entspannter in Angriff genommen werden, als wenn man auf die gesetzlichen Renten aus erster und zweiter Säule angewiesen ist. Um eben dieses Polster bilden zu können, empfiehlt es sich, in jungen Jahren mit dem freiwilligen Sparen im Rahmen der dritten Säule zu beginnen. Dazu gehören alle Formen der privaten Selbstvorsorge, so. z. B. Fondssparpläne von Banken oder auch Versicherungslösungen.
Gehört dazu auch der Abschluss einer privaten Lebensversicherung?
Gemischte Lebensversicherungen beinhalten ebenfalls einen Kapitalaufbau. Dabei wird das Kapital zu einem bei Abschluss vereinbarten Termin ausbezahlt. Beim Bank- oder Fondssparen ist man hingegen an keinen Vertrag gebunden und kann flexibler über sein Kapital im Alter verfügen.
Die Menschen werden immer älter und sind folglich immer länger auf ihre Rentenbezüge angewiesen. Ist das System der Altersvorsorge auf die demografische Entwicklung der Bevölkerung ausreichend vorbereitet?
Die Versicherungen und insbesondere die Pensionskassen bedienen sich dabei den statistischen Sterbetafeln der Schweiz. Diese werden regelmässig überarbeitet und stellen somit eine halbwegs aktuelle Bestandesbetrachtung dar. Um die demografische Entwicklung zu kompensieren, bilden die Pensionskassen laufend Rückstellungen. Dadurch wird vermeiden, dass es bei den Pensionskassen plötzlich zu Überraschungseffekten kommt. Um diesen Effekt zusätzlich zu unterstützen, sind die Stiftungsräte der Kassen gefragt. Diese müssen die versicherungstechnischen Grundlagen für ihre Kasse festlegen, damit die finanzielle Sicherheit der Kasse jederzeit gewährt bleibt.
In Liechtenstein und der Schweiz wird kontrovers über die Zukunft der Altersvorsorge diskutiert. Welche Massnahmen machen aus Ihrer Sicht am ehesten Sinn, um das System langfristig zu sichern (höheres Rentenalter, verstärkte Zuwanderung, Rentenkürzungen)?
Da in der Pensionskasse in erster Linie jeder Versicherte sein eigenes "Sparkonto" hat, wirkt sich die Zuwanderungspolitik des Staates weniger auf die Pensionskassen aus. Bei der AHV verhält sich dies anders. Die Parameter des Rentenalters, der technische Zins und der damit zusammenhängende Rentenumwandlungssatz sind hingegen Faktoren die zur Stabilisierung der zweiten Säule beitragen. Insbesondere die technischen Grundlagen können von Kasse zu Kasse verschieden sein, da nicht jede Kasse dieselbe Struktur aufweist.
Trotz der demografischen Entwicklung gehen noch immer viele Arbeitstätige vor Erreichen des ordentlichen Pensionsalters von 64 Jahren in Frühpension. Warum? Ist das staatliche Modell der
Frühpensionierung zu attraktiv ausgestaltet?
Sicherlich spielen die moderaten Kürzungssätze der AHV bei der Entscheidung zur Frühpensionierung eine Rolle. In der Pensionskasse muss beachtet werden, dass sich eine Frühpensionierung doppelt rentenreduzierend auswirkt. Zum einen ist das Alterskapital mit 60 tiefer als mit 64 und zudem reduziert sich der Rentenumwandlungssatz mit jedem Jahr das ich früher in Pension gehe. Da der Grossteil der Pensionskassen den Versicherten auch frei stellt, statt der Rente das Kapital in Form einer einmaligen Auszahlung zu beziehen, kann auch dies die Entscheidung zur Frühpension erleichtern.
Die Liechtensteiner Regierung will den Staatsbeitrag an die Alters- und Hinterbliebenenversicherung reduzieren. Verliert die erste Säule damit an Bedeutung?
Ganz und gar nicht. Unser Sozialversicherungssystem basiert auf den drei Säulen und davon ist die AHV ein ganz wichtiger Pfeiler. Dass unsere Regierung momentan die Sparmöglichkeiten für den Staatshaushalt auslotet ist bekannt und anscheinend ist die AHV auch davon betroffen. Dies ändert grundsätzlich am System und der Funktionsweise der ersten Säule aber bestimmt nichts.
Welche neuen Herausforderungen kommen für Vorsorgeeinrichtungen wie die LLB Vorsorgestiftung zu, wenn die private Altersvorsorge zunehmend wichtiger wird?
Die Herausforderungen liegen nicht nur bei den Pensionskassen als vielmehr bei den Arbeitgebern. Die Pensionskasse setzt ja letztendlich den von der Firma definierten Leistungsplan um. Erkennt ein einzelner Mitarbeiter, dass er zum Beispiel bei einer Invalidität aus der IV und der Pensionskasse zu wenig Leistungen erhält, bleibt ihm die Ergänzung via dritte Säule. So kann jeder sein Leistungsspektrum für sich selbst festlegen und umsetzen. Die Arbeitnehmer dürfen von der Pensionskasse nicht erwarten, dass diese den vollen Lohn zu 100 Prozent absichert. Dies ist nicht Ziel der ersten und zweiten Säule.
Die Herausforderungen der Pensionskassen liegen im Umgang mit den sich laufend verändernden demografischen Daten und natürlich ganz zentral in der Vermögensanlage. Dazu gehören insbesondere auch das schwierige wirtschaftliche Umfeld und die Turbulenzen an den Finanzmärkten.
Wohin geht der Trend beim Rentenbezug – eher zum Bezug des Kapitals oder zur Auszahlung als Rente?
Hierzu kann ich nur von unserer Stiftung berichten. Bei uns ist es nach wie vor so, dass rund zwei Drittel der Pensionierten ihr Alterskapital in Form einer einmaligen Auszahlung beziehen. Wir sind bei dieser Betrachtung aber sicherlich nicht repräsentativ. Dies ist eine Frage, die jeder Versicherte für sich entscheiden muss. Und diese Entscheidung ist von vielen Faktoren abhängig, daher möchte ich nicht von Trends sprechen.
Wie stellen Sie angesichts der gegenwärtigen Turbulenzen an den weltweiten Finanzmärkten sicher, dass die Renteneinlagen der Versicherten garantiert bleiben und trotzdem eine Rendite möglich ist, welche die Ausgaben deckt?
Dabei muss unterschieden werden zwischen Risikoleistungsfällen, also Invaliden- oder Todesfallleistungen, und den Altersrenten. Die Risikoleistungen einer Pensionskasse können bei einer Versicherungsgesellschaft rückversichert werden. Dies stellt für die Kasse und letztendlich den Versicherten sicher, dass die reglementarischen Leistungen erbracht werden.
In Bezug auf die Verwaltung der Altersguthaben hat der Stiftungsrat einer Vorsorgeeinrichtung die Verantwortung, eine Anlagestrategie festzulegen, welche den aktuellen Finanzmärkten ebenso Rechnung trägt wie der Struktur und den Rentenverpflichtungen der Kasse. Dabei das Optimum zu erreichen ist gerade in den jetzigen Zeiten eine Herausforderung, welcher sich die Stiftungsräte stellen müssen.
Welche anderen Möglichkeiten stehen den Pensionskassen offen, um die langfristigen Renditeziele trotz unsicherer Lage an den Finanzmärkten, zu erreichen?
Es ist für Pensionskassen substanziell, dass sie langfristig denken und die Gelder dementsprechend veranlagen. Dazu gehört auch, dass die festgelegte Anlagestrategie nicht bei jeder Marktbewegung angepasst wird.
Fakt ist momentan leider, dass viele Kassen die für sie definierten Jahres-Zielrenditen aufgrund der aktuellen Märkte nur schwer oder gar nicht erreichen können.
Zum Schluss: In welchem Alter sollte man mit der Planung des Renteneintritts beginnen?
Die Finanzplaner der Liechtensteinischen Landesbank führen sogenannte "Pensionierungsseminare" für Personen ab 50 Jahren durch. Ich teile deren Meinung, dass dies sicherlich ein guter Zeitpunkt ist, eine Standortbestimmung vorzunehmen. Wie bereits erwähnt: Wenn festgestellt wird, dass Kapitalbedarf vorhanden ist, ist es natürlich besser, dass dies 10 Jahre vor dem gewünschten Pensionierungszeitpunkt bemerkt wird, als sehr kurz davor.
Zur Person
Bruno Matt ist Geschäftsführer der Vorsorgestiftung der Liechtensteinischen Landesbank (LLB). Der Pensionskasse sind 320 Betriebe aus Liechtenstein mit insgesamt rund 3'300 versicherten Arbeitnehmens angeschlossen. Das verwaltete Kundenvermögen liegt aktuell bei rund 285 Millionen Franken. Die LLB Vorsorgestiftung hat im vergangenen Jahr die Kapitalien der Versicherten mit 2.5 und 3.0 Prozent verzinst. Der sogenannte Rentenumwandlungssatz, der die Höhe der Jahresrente im Verhältnis der angesparten Altersguthaben berechnet, liegt für Männer und Frauen bei jeweils 7 Prozent.
(Das Interview hat Patrick Stahl, Redaktionsleiter "Wirtschaft regional" geführt.)